Mittwoch, 23. Mai 2012
Ein Monat- eine Collage von Eindrücken:
Berlin- die Stadt, die nie schläft! Nach einem Monat versuchen Chlodi und Radi nun einmal etwas zu reflektieren, wie die Hauptstadt bisher auf sie wirkte.
Chrodi möchte dazu gerne wissen was Radi im letzten Monat am meisten schokiert hat…
Radi- nach einigem Nachdenken: „ Mhm…am meisten schockiert, mich das Überangebot an Möglichkeiten. Immer gibt etwas zu tun und ständig hat man die Befürchtung, dass man etwas verpasst…“
– „Könnte man sagen, dass sich die Begriffe deiner Kategorien von Zeit und Raum in den letzten Wochen verändert haben?“
– „Präzis!“
– „Inwiefern?“
– „Das Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit von Schlaf ist mir entkommen bzw. durch den Mammon Kaffe abhanden gekommen. Ich fühle mich als Mensch einem ständigen Überangebot an Möglichkeiten ausgeliefert…“
– „ Da stimm ich dir zu- also mein Räumlichkeitsbegriff hat sich dahingehend verändert, dass mein Lebensraum nicht mehr ein verknüpfter Ort mit Zentrum ist- wie das Göttinger Gänselisl. Das zentrierte Leben um einen gemeinsamen Ort fehlt in Berlin komplett.“
– „Ah, du meinst so etwas, wie es den Juden nach der Zerstörung des Tempels ging…“
– Ja, aber katastrophaler… denn dann „in Berlin wohnen“ ist nicht so Identitätsstiftend wie dass „wir glauben an einen Gott JHWH“… und der Missionar im Berliner Dom hat mich da auch noch nicht so überzeugen können.
– Chodi, jetzt verwechselst du aber – trotz aller existenziellen Sinndeutung- Lifestyle mit Religion! Du musst auch das „Mitgehen auf ganzer Ebene“ denken!
– „Das ist wohl wahr! Aber auch der Begriff hilft mir noch nicht zu definierne „was ein Berliner“ ist…
– Aber genau die liegt die Pointe, denn schon J.F. Kennedy konnte so sagen: „Ich bin ein Berliner!“ Gerade das macht die Stadt aus. Das sie so vielfältig ist . Guck mal auf ihre Geschichte und gerade in der Pluralität konstituiert sich dann die Einheit der Identität, definiert durch die Komplexität der verschiedenen sinngebenden Eindrücke!
– Konkretisieren wir doch mal diesen Gedanken: Wie erlebst du hier religiöse Pluralität?
– Ich er-lebe sie eindrückliche Sonntagmorgens, wenn ich von einer afrikanischen Trommelgruppe geweckt werde. Aber Trennlinien verschwinden – sehr Schleiermachersch – schnell, sodass man auch verstehen kann, wenn Touristen den Dom für katholisch halten. Ich finde schon, dass das protestantische Element hier sehr vorwiegend ist
– Also da musst du aber auch deine etwas voreingenommene Perspektive eingestehen: wer in Mitte und direkt neben der ESG wohnt, sich hauptsächlich in der Theologischen Fakultät aufhält, sieht doch nur wenig von der anderen Seite.
– Chlodi, du vergisst aber „but when you put the spoon away”
– Betrachten wir mal Pluralität innerprotestantisch: Wie erlebst du evangelische Freiheit?
– Also in der Praktischen Theologie wird m.E. Freiheit für sehr wichtig gehalten, auch in der Systematischen Theologie, obwohl man da zwischen innerem und äußerem Menschen unterscheiden muss. Im Konvikt dagegen erlebe ich die Freiheit oft eher eingeschränkt.
– Aja, hättest du das so erwartet?
– Ja, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig ist, sich aus den vielen Freiheiten auch einmal zurückzuziehen und auch die Freiheit zu besitzen, nein zu sagen.
– Da kann ich nur sagen: Das ist die beste Ehe-Vorbereitung. Wobei wir bei einem anderen Thema wären, wie seiht es denn mit den Parties und den Jungs aus?
– Nee, warte einmal, jetzt kommen wir noch einmal auf die Freiheit zu sprechen- wie sieht es denn in der Freiheit in deiner neuen Wohnsituation aus?
– Ähm,ähm… Chlodi überlegt... „Ich lerne Freiheit als wichtiges Gut zu schätzen und sie lernt, was es bedeutet für seine Freiheit ein zu treten und dass ich lerne, dass Freiheit auch immer eine Reihe Pflichten bedeutet. Mit Laissez faire hat sich noch keine Beziehung gelöst.
– Kommen wir nun zum Schluss noch zu den Jungs und den Parties
– Also die Jungs im Theo sind ja nicht so der Burner- wie sieht das so anderswo aus.
– Also im deutschlandweiten Vergleich schneidet Berlin noch sehr gut ab- wenn man von der Tatsache absieht, dass das meiste Gutaussehende schwul ist… Mit den „anderweitigen Behilfsmitteln“ bin ich persönlich noch nicht sooo weit, bis auf die Tatsache, dass ich weis wo ich garantiert nicht fündig werde.
– Aha, das scheint ja ein sehr eindrucksvolles Erlebnis gewesen zu sein.
– Chlodi- du warst doch dabei oder hattest du zu viel Wodka intus…
– Ich musste doch darauf achten. dass mit nicht auf die Füße getreten wird…
– Stimmt, voll war es- aber irgendwie auch „supergood“- Chlodi und Radi rocken zum ersten Mal gemeinsam Berlin…

Und beim nächsten Mal: Wie Radi Wilson Gonzales Ochsenknecht begegnet und wie Chlodi mit Jona im Bauch des Fisches war !

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